die sehitlik moschee...


_Allgemeines über Sehitlik-Moschee
_Allgemeines über islamische Baukunst
_Planung
_Zum Baukomplex
_Fakten
_Zur Baustruktur und Gestaltung
_Technik
_Kunst


Allgemeines über Sehitlik-Moschee

Die Sehitlik-Moschee gehört nach der Typologie zur späteren klassischen osmanischen Architektur des 16. und 17. Jahrhunderts. Diese Zeit war von Mimar Sinan geprägt und die osmanische Architektur erreichte mit ihm ihren klassischen Gipfel. Diese Periode dauerte bis Anfang des 18. Jahrhunderts, als die europäischen Einflüsse auf die osmanische Architektur stärker wurden. Berühmte Moscheen aus der klassischen Periode sind z.B. Sehzade Camii, Süleymaniye Camii, Selimiye Camii. Danach wurden auch viel gebaut, jedoch waren diese Bauwerke mit Sinans Bauten nicht zu vergleichen.

Die frühe osmanische Architektur war eine Nachfolge der Seldschuken-Architektur. Hier sind die einfachen Lösungen der Zentralraumgestaltung zu sehen. Dagegen war die Steinmetzerei und -gestaltung hoch entwickelt. In dieser Periode wurden Moscheen mit vielen Säulen und einem kleinen Zentralraum gebaut. Danach wurden die Moscheen nach dem gedrehten T-Prinzip geplant. Das war ein 3 teiliges Gebäude mit jeweils einer Kuppel.

(bitte Bilder anklicken für grössere Ansicht)

Allgemeines über islamische Baukunst

In der islamischen Kunst begegnet man der Anonymität, der Wiederholung und der Gleichförmigkeit sehr oft. In keiner Periode sind Stillbrüche zu sehen. Durch kleine Veränderungen wurde die alte Bauart verfolgt, und jede neue Form ist eine Entwicklung des vorhandenen Vorrates.

Im Gegensatz zur christlichen Baukunst war in der islamischen Kunst eine Entwicklung der bildlichen Darstellungen von Anfang an blockiert. Es fehlt die figürliche Bauplastik völlig, die an den Fassaden und Portalen der Kirchen zu sehen sind. Es fehlen in der islamischen Gotteshaus-Architektur auch Querhäuser, Chöre, Kapellen und Krypten, wovon sich die Form der Grundrisse der Kirchen differenzieren.

Demgegenüber ist die Moschee ein Gebäude, das die Menschen vor Sonne und Regen schützt, damit das Gebet kontinuierlich praktiziert werden kann. Nachdem die Osmanen die Gebetshäuser gleichzeitig zur Repräsentation des Staates bauen ließen, wurde diese Bauweise eine bedeutende Sakralarchitektur. In der Regel sind folgende Bauteile in und um einer Mosche zu finden:



•  Minarett: Hier ruft der Muezzin fünf Mal die Gläubigen zum Gebet.
•  Reinigungsbrunnen: Der gläubige Muslim soll vorm Beten eine Ritual-Waschung vollziehen.
•  Mihrab: An der Kiblewand steht eine Gebetsnische, wo der Imam das Gemeinschaftsgebet führt.
• Kürsü: An der Predigtkrone informiert der Imam den Gläubigen über alltägliche Themen bis hin über die Interpretation des Korans.
•  Mimbar: Aus der Predigtkanzlei hält der Imam eine Rede, die nur beim Freitagsgebet stattfindet.

(bitte Bilder anklicken für grössere Ansicht)


Planung

Die Moschee mit Nachbargebäuden wurde von der Firma Hassa Mim. Müh. Ltd. AS. aus der Türkei durch Herrn Architekt Hilmi Senalp entworfen. Hilmi Senalp hat auch die Moscheen in Askabat (Türkmenistan) und in Tokio (Japan) geplant und die Bauarbeiten geleitet ggf. durchgeführt. Er hat für die Sehitlik-Moschee auch die Ausführungspläne gefertigt.

Die Statik wurde von Herrn Dipl. Ing. Hüseyin Portakal aus Augsburg berechnet. Der Rohbau wurde unter der Leitung von Herrn Dipl. Architekt Tarkan Akarsu aus Berlin ausgeführt. Er hat auch den Nachtrag auf die Baugenehmigung wegen Veränderungen am Baukörper gestellt.





(bitte bilder anklicken für grössere Ansicht)



Zum Baukomplex

Hier handelt es sich um ein Kulturzentrum mit einer Moschee. Daher wurden die Planung und Bauausführung in drei Abschnitten durchgeführt. Der erste Bauabschnitt ist bereits gebaut. Dieser Bauteil besteht aus drei Geschossen; KG, EG, 1.OG. Das erste Obergeschoss ist halb so groß wie das Erdgeschoss, da die Hälfte des Geschosses als Terrasse gebaut wurde.

Der zweite Bauabschnitt bildet allein die Moschee und besteht aus 4 Geschossen: Keller-, Erd-, 1. Ober- und Galeriegeschoss. Das Kellergeschoss wurde als Mehrzweckhalle geplant. Das Erdgeschoss wird zurzeit als Gebetsraum benutzt und wird in der Zukunft als Versammlungsraum und Ersatzgebetsraum verwendet. Die eigentliche Moschee befindet sich im 1. Obergeschoss. Auch die Minarette sind ab dem 1. Obergeschoss zu sehen.

Der Zugang zum Galeriegeschoss in der Moscheehülle ist sowohl über das 1. OG als auch über das EG möglich, da die Minaretten durch eine Nottreppe alle Geschosse miteinander verbinden. Auf dem Galeriegeschoss beten in der Regel die Frauen. Der dritte Bauabschnitt ist immer noch in Planung. Es wird demnächst mit dem Bau begonnen. Dieser Teil besteht wie der erster Teil aus drei Geschossen; KG, EG, 1 .OG.

(bitte Bilder anklicken für grössere Ansicht)

Fakten

Der erste Bauabschnitt ist insgesamt 940 m² groß. Der zweite Bauabschnitt (die Moschee) mit allen Geschossen (Keller-, Erd-, 1. Ober- und Galeriegeschoss) hat insgesamt 1.360 m² Bruttogeschossfläche (BGF). Das Kellergeschoss ist ca. 450 m² Brutto-Grundfläche (BGF). Das EG ist ca. 400 m² groß. Die Bruttogrundfläche des 1. Obergeschosses (der Gebetsraum) beträgt ca. 365 m².

Die gesamte BGF des Galeriegeschosses ist ca. 145 m². Die Hauptkuppel mit 12 Meter Durchmesser sitzt auf einem 8-Eckigen Unterzug. Die Last der Kuppel wird durch die acht Halbkuppel auf die Außenwand und somit auf die Fundamente weitergeleitet. Das Kellergeschoss und das Erdgeschoss sind jeweils 3,5 Meter hoch. Das 1. Obergeschoss ist bis zu den kleinen Kuppeln 8,47 Meter, bis zur Hauptkuppel 15,42 Meter hoch. Die Höhe unter dem Galeriegeschoss ist 4,0 m.

Die Gesamte Höhe von der Außenseite der Hauptkuppel bis zum Moschee-Boden ist 16,5 Meter, bis zur Erdoberfläche 21,1 m. In der Moschee kann eine Lichthöhe von 16,32 m gemessen werden. Die Länge der Minarette, vom ersten Geschoss aus, ohne Spitze beträgt 25,03 Meter, mit der Spitze bis auf den Halbmond 33,56 m. Vom Null Punkt aus jeweils 28,64 m und 37,07 m. Die gesamte Größe des dritten Bauabschnittes beträgt ca. 505 m².

Dem Kulturzentrum wird am Ende ca. 2805 m² BGF zur Verfügung stehen.

(bitte Bilder anklicken für grössere Ansicht)


Zur Baustruktur und Gestaltung

Die Bauten aus der klassischen Periode werden durch architektonische Terminologie nach dem Tragwerk klassifiziert. Grundsätzlich sind die benutzten Formen die 4, 6 und 8 Kuppeltragender Pfeiler-Pläne. Unsere Moschee wurde in Achteck Kuppeltragender Pfeiler und Stützbogen-Form aus Stahlbaukonstruktion gebaut.

Die Gestaltungsmöglichkeiten des Zentralraumes bildeten gleichzeitig in der klassischen osmanischen Architektur die Entwicklungskriterien dieser Bauweise, weil durch die damalige Bauart und –konstruktion die Vergrößerung des Zentralraumes beschränkt war. Typische Beispiele für einen 8 Säulen-Plan sind die Selimiye Camii in Edirne und die Kadirga Sokullu Pasa Camii in Istanbul.

Das Vordach der Moschee ist eigentlich eine Art Profan-Architektur. Es ist sehr selten an einer Moschee gebaut. Da es hier um ein Konzept eines Kulturzentrums handelt, wurde die Fassadengestaltung des komplexes einheitlich geplant und aus dem Grund wurde diese Vordachform ausgewählt. Es befinden sich an der Fassade der Moschee die Vogelpaläste, die die Rücksicht damaliger Baukunst auf die Tiere zeigt.





(bitte Bilder anklicken für grössere Ansicht)

Technik

Das Hauptaugenmerk der inneren Dekoration galt der Harmonie der Mischverwendung von Keramik und Marmor. An der Gebetsnische, Predigtkrone, Predigtkanzlei und zwischen den Bögen ist diese zu beobachten. Eine derartige Mischverwendung dieser Materialen ist in klassischer Periode nicht bekannt gewesen. Diese Moschee ist somit keine Wiederholung bzw. Kopie irgendeiner Moschee, Sondern eine neue Versuchung der Gestaltungsmöglichkeiten der Bauten aus der klassischen Periode. Der verwendete Marmor wurde aus der Marmara Insel abgebaut und verarbeitet, woher es seinen Namen bekam, wird seit der römischen Zeit europaweit verwendet.

Die Keramik am Baukörper ist echte Iznik-Keramik, die in der türkischen Stadt Iznik per Hand verformt, gestaltet und gefärbt wurden. Der Boden der Keramik besteht aus Quarzsand. Die rohen Platten werden nach der Herstellung stundenlang gefärbt und dann geschliffen. Dann werden die Motive durch Staubtechnik aufgetragen (gleiche Technik wurde auch an der Hauptkuppel verwendet). Anschließend werden sie gemalt. Im Ofen bei 600° C werden die Motive und Farben auf der Keramik verfestigt. Abschließend werden die Platten mit einer Glasur versehen und in einem Ofen bei der 900 °C Hitze gebacken. Die Wärmemenge und die Bleibedauer im Ofen sind für ein befriedigendes Ergebnis entscheidend. Manchmal wird ein gewünschtes Keramikstück erst nach fünf- bis sechsmaliger Wiederholung erreicht.

(bitte Bilder anklicken für grössere Ansicht)

Kunst

Alle verwendeten Materialien wie Holz, Marmor, Gipsfenster, Kaligraphie wurden mit Sorgfalt und großem Aufwand originaltreu vorbereitet und eingebaut. Die Platten, worauf die Namen Allah, Mohammed, Eba Bekr, Omar, Osman, Ali, Hasan, Hüsseyin stehen, sind die Übergangselemente. Die scharfen Zwischenschnitte der Übergänge werden von der Hauptkuppel zu den kleinen Kuppeln durch diese Elemente optisch erleichtert.

Auch die Muqarnas, die sich in der unteren Schicht befinden, sind die Übergangselemente, die die ästhetische Verbindung zwischen den kleinen Kuppeln und den Außenwänden ermöglichen. Die Muqarnas ist eine Kunstart, deren Entwurf und Ausführung zurzeit vorm Auslöschen gedroht ist und vergessen wird. Auf der Hauptkuppel stehen traditionell die Versen Ihlas-i Serif. Die Schriften wurden mit 23 Karat Goldverzierung ausgeführt. Normalerweise ist die Farbe des Hintergrundes Kobaltblau. Aber hier wurde dunkelgrün ausgewählt, welches in den Moscheen aus der früheren Periode sehr oft verwendet wurde. Die benutzten Hauptfarben sind Titaniumoxid (Weiß), Kobaltblau, Eisenoxid (orange, rot), ocker (gelb). Andere Farben sind die Mischung dieser Hauptfarben.

Bei der Ausführung der Kalligraphie wird zuerst an der Wand bzw. an der Kuppel die Stelle und Breite des Schriftzuges mit einem Bleistift versehen. Für die Dicke der Buchstabe wird nach der Entfernung zwischen der Kuppel und dem Boden vor Ort entschieden. Dabei ist zu beachten, dass die Schrift dem Lesenden weder zu klein noch zu groß vorkommt. Dann werden der Rahmen und die Motive um die Schrift herum ergänzt. Letztendlich wird die gesamte Gestaltung von der Hauptkuppel bis hin auf die Säulensocken bzw. von oben bis nach unten hinsichtlich der Ausgewogenheit der Farben und der Größen nach mehrmaligen Anpassungen Stück für Stück ausgereift. Die Kalligraphie der Moschee wurde von Herrn Hüseyin Kutlu ausgeführt, dessen Lehrer der berühmte Herr Hamid Aytaç ist. Die Malerei wurde von Herrn Semih Irtes vor Ort entworfen und den Wänden bzw. Kuppeln angepasst und gemalt. Diese und die hier nicht genannten Künstler, Fachmänner oder Stuckateure sind aus der Türkei nur für den Bau dieser Moschee gekommen.

(bitte Bilder anklicken für grössere Ansicht)

Dieser Text ist am 19.11.2003 von Herrn Architekt Mustafa Iskender in der Türkei erstellt und durch Herrn Diplom Architekt Tarkan Akarsu (eMail: sehitlik@akarsu.de), eingetragen bei der Architektenkammer Berlin, am 21.11.2003 in Berlin ins Deutsche übersetzt und ergänzt.

Überarbeitet am 04-03-2004

2. Überarbeitung und Ergänzung am 14-05-2004


© 2006-2009 - Impressum